Sammelbericht von Josef

Bonn, ein sonniger Dienstag. Der Frühling kommt dieses Jahr zum ersten Mal so richtig zum Vorschein und mein Sammelpartner Tristan und ich sind top motiviert. Es ist einer der letzten Tage, an denen wir Unterstützer für unsere Zulassung zur Europawahl suchen, nachdem wir schon wochenlang größere und kleinere Städte in ganz Deutschland abgeklappert haben. Nach einem kurzen Frühstück begeben wir uns also rasch zum Hofgarten, eine ausgedehnte Parkanlage in der Nähe der Universität. Bereits mittags hat es viele sonnendurstige Studenten, Schüler nach Schulschluss oder einfach Leute, die ihre Pause lieber im freien genießen, hierher verschlagen. Genau richtig, um schnell ins Gespräch zu kommen.

Die Idee ist einfach: Je mehr Leute wir von dem Konzept hinter Demokratie Direkt überzeugen können, desto schneller haben wir die 4000 Unterstützerunterschriften zusammen, welche darüber entscheiden, ob wir zur Wahl antreten dürfen, oder nicht. Anfangs sammeln wir gemeinsam, teilen uns aber bald auf, um mehr Leute ansprechen zu können. Durch die Erfahrung und Routine der vergangenen Wochen fällt es mir inzwischen sehr leicht, auch auf größere Gruppen von Menschen zuzugehen und unsere Partei vorzustellen. Schon während vorheriger Sammelaktionen war ich erstaunt darüber, auf wieviel Interesse und Diskussionsbereitschaft unsere Idee stößt, jedoch merke ich bald, dass das gute Wetter jene nochmal auf ein neues Level anhebt. Kaum eine Gruppe schickt mich weiter, ohne wenigstens einmal mein Anliegen angehört zu haben, im Gegenteil. Mit einem Großteil der Personen finde ich mich schnell in einem Diskurs über politische Ideale, Demokratie und die aktuellen Probleme unserer Zeit wieder. Dabei sind sich natürlich keineswegs alle einig, aber gerade die zunächst skeptischen Gesprächspartner mit abweichender Position sehe ich als Herausforderung. Schließlich macht es mehr Spaß, jemanden durch argumentative Überzeugungskraft zu gewinnen, als von vorn herein derselben Meinung zu sein. Oft habe ich das Gefühl eine Unterhaltung vorschnell abbrechen zu müssen, da ich ja noch weitere Unterschriften sammeln muss. Ein wenig schade ist es schon, weil ich von vielen Seiten neuen Input bekomme und gerne noch weiter diskutieren würde. Neben dem ein oder anderen Unbeirrbaren erhält unser Konzept viel Zustimmung und konstruktive Kritik, von welcher tatsächlich so mancher Punkt bereits in die weitere Arbeit eingeflossen ist. Darüber hinaus erfahre ich von politisch Interessierten viel über bereits bestehende Projekte oder Gruppierungen, zu denen es sich lohnen könnte, Kontakt aufzubauen.

Beim Sammeln wurde mir in den vergangenen Wochen eines besonders klar: Es ist falsch, von einer politikverdrossenen Jugend oder gar Gesellschaft zu sprechen. Natürlich handelt es sich hier um einen subjektiven Erfahrungsbericht, aber die schiere Anzahl von diskussionsfreudigen, jungen Menschen, darunter viele überzeugte Demokraten, haben mir gezeigt, dass ein Grundinteresse an Politik und auch an politischer Teilhabe besteht. Der Austausch von Meinungen und Ideen, an dem wir durch die Aktion bereits teilnehmen konnten, ist letztlich genau das, was wir durch die Eröffnung unseres demokratischen Forums erreichen wollen. Es ist an der Zeit, einen Ort zu schaffen, an dem alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit erhalten, am öffentlichen Diskurs mitzuwirken und darüber hinaus einen wirklichen Einfluss auf das politische Geschehen bekommen. Es ist Zeit für Demokratie Direkt!

Josef Meis